Toxische Beziehung oder nur aus dem Gleichgewicht?

Es scheint im Moment ein Schlagwort zu sein, dass schnell eine Beziehung, in der es nicht so läuft, als toxische Beziehung bezeichnet word. Und ja, es gibt sie wirklich häufiger als man denkt. Ich war sogar selbst in einer toxischen Beziehung. Und doch sind noch mehr Beziehungen nicht in Balance und ungesund, ohne aber gleich toxisch zu sein. Sie können Merkmale davon enthalten, es gibt also eine Art Schnittmenge. Hier ist aber oft „nur“ Unwissenheit im Spiel (z.B. über Kommunikation, Bedürfnisse, Emotionen und Gefühle, usw.) und wenn man nachhakt, häufig auch der Wunsch nach Verbesserung der Beziehung. Wenn ich hier über Beziehungen reden, meine ich jede Art von Beziehung. Nicht nur Partnerschaft, sondern auch Freundschaft, Bekannte, Kollegen, Geschäftspartner, …. Es geht nicht um Hyperempfindlichkeiten, wie dass jemand mit einer anderen Meinung einen gleich unterdrücken will oder dass man sich nicht auch mal streitet und ähnliches. Heute geht daraus, welche Anzeichen es geben kann.  Diese können immer mal auftauchen und wenn es gelegentlich!!! passiert, ist das ganz üblich. Wenn sich jedoch sehr viele davon häufen, dann kann das ein Indiz für eine möglicherweise toxische Beziehung sein. Kann, aber nicht muss.

So lernen wir Beziehung

Das allererste und einfachste Anzeichen, ob eine Beziehung in Balance ist, ist die Zeitdauer. Wie sieht es mittel- und eher noch langfristig aus? Ist die Balance von Geben und Nehmen ausgeglichen? Das ist übrigens ein subjektives Empfinden, wie das Genaus aussieht. Das Verhältnis muss nicht unbedingt 50:50 sein, sondern kann ganz anders sein. Ausserdem muss auch ein Ausgleich nicht sofort erfolgen, sondern kann auch später passieren. Und spirituell gesehen, kann es sogar von  ganz anderswoher kommen und nicht von der entsprechenden Person direkt. Wenn man aus dem Herzen gibt, wird es in einer Form immer zurückkommen. Die Maßstäbe, ob eine Beziehung in Balance ist und mögliche ungesunde Muster entstehen in der Kindheit. Wir lernen wie Beziehung geht durch Beobachten, Zuschauen und Zuhören von unseren Eltern, Großeltern und anderen nahestehenden Bezugspersonen. Das, was wir dabei lernen, vergräbt sich dann tief in unserem Unterbewusstsein. War es zu Hause eher destruktiv mit z.B: Missbrauch (sexuell, psychisch oder emotional), Vernachlässigung, Gewalt, Scheidung, häufigen Streits, Missachtung (auch des Kindes),… prägt sich natürlich ganz andere Muster ein las wenn wenn es liebevoll, warmherzig, unterstützende, …war.

Ein Cocktail im Gehirn

Zu jedem Muster gibt es einen speziellen Cocktail von Botenstoffen, Neurotransmittern und Hormonen in unseren System. Daran und an die Emotionen dazu hat man sich über die Zeit gewöhnt. Dieser Zustand ist dass die Referenz, wie sich Beziehung anfühlen soll und unser System fühlt sich damit sicher, weil es das kennt. Egal wie die Qualität ist. Weil es bekannt ist und sich sicher anfühlt will man unbewusst immer mehr davon und so landet man gerne in Beziehungen, die den erlernten Mustern entsprechen, auch wenn sie einem nicht gut tun. Was wir über und denken, glauben und fühlen, gehört auch dazu. Es führt beispielsweise dazu, das wir möglicherweise immer wieder dieselbe Art Beziehungen eingehen, auch wenn es eine toxische Beziehung ist. Und/Oder wir tun Dinge, die wir eigentlich gar nicht wollten und haben es wieder nicht geschafft, zu sagen was wir wollen. Weil das i.d.R. unterbewusst abläuft, hat wahrscheinlich fast jeder schon einmal das ein oder andere der folgenden Anzeichen an den Tag gelegt. Wie gesagt, gelegentlich  heisst nicht gleich ungesund und ungesund heisst nicht gleich toxische Beziehung.

Anzeichen für eine ungesunde oder toxische Beziehung

Mögliche Anzeichen können sein (wenn Du als Leser*in noch andere Merkmale kennst, teile sie gerne in der Kommentaren mit uns):

  1. Subtile, Kleie Kränkungen, die NICHT offensichtlich sind. Sie sin klein und fein und gut versteckt. Diese Art von Bemerkung, die man erst ein bisschen später versteht und bei denen man sich doof fühlt, wenn man was sagt.
  2. Ungesunder Egoismus. Hier geht es um „Ich, Ich, Ich“, wenig Rücksicht und Anteilnahme, nur die eigenen Interessen im Blick,… Wenn das überhand nimmt, kann das ein Indiz sein. Gleichzeitig ein Signal, gesunden Egoismus zu lernen. Es ist richtig, sich selbst an erste Stelle zu setzen. Erst, wenn es einem gut geht, kann man auch kraftvoll für andere da sein.
  3. Kontrollsucht. Beginnt sehr subtil und steigert sich gerne. Z.B. wenn man etwas alleine unternehmen möchte und der andere nicht locker lässt mit Fragen wie „Wann kommst du wieder?“, „Wie lange bleibst du weg?“, „Wer ist das, mit dem du unterwegs bist?“. Und zwar nicht als normale Frage sondern mit so einer drängenden und  unangenehmen, quengeligen Energie. Oder wenn man gemeinsame Unternehmungen geplant hat und einer immer „ganz plötzlich“ krank wird.
  4. Dramasucht. Aufgrund des Cocktails von Botenstoffen, Neurotransmittern und Hormonen, den wir gewohnt sind, braucht man ganz viel Action und Drama. Von himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt und zurück. Ständiges auf und ab. On-Off-Beziehungen. Wenn es dazu noch am Anfang zu schön war, um wahr zu sein (Love Bombing) und es ganz abrupt aufhört, will man davon um so mehr und verbiegt sich immer mehr, damit es wieder so wird.
  5. Doppelbotschaften. Wie jemand spricht und was er tut, passt nicht zusammen. Wiedersprüchliche Aussagen. Verschiedene Maßstäbe und zweierlei Maß. Verwirrung. Wenn man es anspricht, bekommt man den schwarzen Peter zugeschoben und wir ggf. abgewertet.
  6. Gaslighting. Die Wahrnehmung des Opfers wird in Frage gestellt. Stück für Stück. es wird suggeriert, dass das Opfer sich irrt und dass man bestimmte Dinge überhaupt nicht gesagt oder getan hat, dass manche Dinge (die sehr wohl da waren) nie existiert haben. Manchmal wird auch bewusst etwas inszeniert und das dann abgestritten. Die Worte werden einem im Mund herumgedreht. Suggerierung von Schuldgefühlen. …
  7. Absichtliches falsch verstehen. Es wird dann behauptet, man habe  etwa ganz anderes gesagt. Oder auf der Formulierung herumgeritten, anstatt auf den Inhalt einzugehen. Oder behauptet, mann könne ja das gesagt gar nicht verstehen, weil es xxx sei. Eingehen auf nur ganz Nebensächliches.
  8. Einen Keil dazwischen treiben. Versuch, bestehende Freundschaften und Beziehungen zu anderen gezielt zu hintertreiben und zu zerstören.
  9. Keine oder fast keine Unterstützung, die Anliegen die einem wichtig sind. Es sei denn, der Andere hat einen Vorteil, es erfüllt sein Bedürfnis nach yyy oder es passt z.B. zum Image.
  10. Mangelnder Respekt dir gegenüber und gleichzeitig selbst welchen einfordern.

Das ganze kann dazu führen, dass man wirklich verunsichert wird, der Selbstwert angeknackst werden kann und dass man vergisst, was die eigenen Bedürfnisse und Gefühle sind. Man bewegt sich ganz vorsichtig wie auf Eierschalen vor lauter Befürchtung, dass der andere sich dann wieder komisch verhält und einen „bestraft“, z.B durch Abwertung, Beleidigung, nicht Beachten, um nur einiges zu nennen.  

Wen man sich dessen bewusst wird ist das der erste Schritt, um etwas zu verbessern oder im extremen Fall, sich aus dieser Beziehung zu lösen. Es ist auch nicht feige, im Fleisch das Falles zu gehen, Sondern ein legitime Option. Generell ist es auch eine gute Sache, sich Hilfe und Unterstützung zu holen, weil man machen seiner Muster alleine gar nicht auf die Schliche kommt (Blinder Fleck). AM besten mit einer Person des Vertrauens, einem Therapeuten oder Coach. Under Gehirn ist plastisch und kann sich immer verändern. Es ist also möglich die Muster umzulernen und hilfreiche neue Muster zu etablieren.

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